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FAQ zum Thema "Horsemanship"


Was verstehst DU unter "Horsemanship" und "Pferdeflüstern"?

Horsemanship ist entgegen vieler Meinungen kein Reit- oder Ausbildungsstil welcher sich auf marktgängige, teilweise schon fast sektiererische Angebote und Gruppierungen beschränkt, sondern eine innere Haltung des Menschen dem Pferd gegenüber. Sie basiert auf gereiften Persönlichkeitsaspekten wie, Ausgeglichenheit, Fairness, Impulskontrolle, Introspektionsfähigkeit, Respekt, Geduld und Gefühl für das Pferd.

Die Grundlagen von gutem Horsemanship sind mit der Zeit erlern- und trainierbar. Ein guter Horseman ist derjenige, der sich selbst seit vielen Jahren ausbildet, immer im Bewusstsein, dass er noch lange nicht ausgelernt hat. Er begegnet jedem Pferd mit Offenheit, Neugierde, Toleranz, Respekt und Demut unabhängig davon ob am Knotenhalfter oder am Kappzaum.

 

Streben wir eine harmonische und freundschaftliche Partnerschaft mit unseren Pferden an, müssen wird lernen, das Wesen des Pferdes zu verstehen, sein natürliches Verhaltensrepertoire zu kennen und seine Verhaltensweisen und Reaktionen richtig zu interpretieren. Das Fundament besteht aus einer pferdegerechten, klaren, fairen und konsequenten Kommunikationsbasis am Boden und im Sattel und viel theoretischem und praktischem Wissen. Pferde spiegeln unsere Persönlichkeit, unsere Verhaltensweisen, ja sogar unsere Körperspannung. Das was wir gespiegelt bekommen gefällt uns nicht immer. Wenn wir uns aber auf diese Herausforderung einlassen, erhalten wir die Chance, viel Neues über uns selber in Erfahrung zu bringen und uns auch auf der persönlichen Ebene weiter zu entwickeln. Ohne Demut gelingt dieser Schritt nie!

 

Die Anfänge des Horsemanship und Pferdeflüsterns haben die Sprache der Pferde entschlüsselt. Zum heutigen Zeitpunkt weiss man, dass Pferde durchaus in der Lage sind, auch uns Menschen verstehen zu lernen. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Pferde bis zu 30 gelernte Stimmkommandos unterscheiden können. Die Stimmkommandos sind demnach für die Ausbildung und Kommunikation mit dem Pferd ein wichtiges und noch häufig unterschätztes Hilfsmittel. Sind beim Pferd stimmliche Kommandos und die dazu passenden Tonlagen erlernt oder sogar konditioniert, stehen uns diese auch jederzeit im Sattel zur Verfügung. An Tonfall und Tonlage können Pferde differenzieren, was mit den Kommandos gemeint ist. Ein lautes, scharfes "NEIN" im richtigen Moment kann Wunder bewirken, ohne dass bestrafend auf den Körper eingewirkt werden muss - was im Sattel meist zulasten des Pferdemauls geht. 

 

Unsere Körpersprache ist ein wichtiges, nicht zu unterschätzendes Element in der Begegnung mit dem Pferd. Sich aber nur noch "wie ein Pferd" zu verhalten beleidigt die Intelligenz seines vierbeinigen Gegenübers und ... spätestens beim Ohrenanlegen scheitern wir sowieso.  Aus diesem Grund hat sich meines Erachtens der Begriff "Pferdeflüstern" nicht nur abgenutzt, er erscheint mit zudem auch veraltet.

 

Meiner Meinung nach ist es letztendlich Geschmacksache, wie man sich mit seinem Pferd unterhalten möchte. Hauptsache wir bleiben dabei authentisch, sonst wird's erstens schnell peinlich, zweitens kann keine echte Kommunikation mit dem Pferd mehr stattfinden. Pferde durchschauen sofort, ob wir ihnen gegenüber ein Theaterstück vorspielen oder uns gerade selbst so cool finden, dass wir uns nur noch auf unserer eigenen Bühne bewegen.

 

Im Zusammenhang mit der Pferdeausbildung benutze ich lieber den Begriff "angewandte Lernpsychologie auf freundschaftlicher Beziehungsbasis" als "Horsemanship", da dies besser umschreibt, wie ich die Kommunikation und Begegnung mit dem Pferd verstehe.



Wie lernen Pferde und was ist Lernpsychologie?

Pferde lernen durch Gewöhnung, Nachahmung, Prägung, und mittels der klassischen und operanten Konditionierung. Ein Pferd mittels Lernpsychologie aus- und weiterzubilden, zu trainieren und zu therapieren bedeutet, mittels der klassischen oder operanten Konditionierung richtige Schritte bereits im Ansatz und im richtigen Zeitpunkt ausschliesslich positiv zu verstärken. So kann das Pferd verstehen, was wir von ihm möchten und dabei auch Freude für seine Arbeit entwickeln.
 
Dabei wird das individuelle Lernvermögen berücksichtigt und die maximale Konzentrationsfähigkeit von 20 Minuten nicht überschritten. Lernen über Angst, Stress, Ermüdung und Reizüberflutung, wie es oft beim sogenannten "Aussacken" beobachtet werden kann, sind keine adäquaten Lernmethoden und erzielen keinen nachhaltigen Lernerfolg.

 

Die bekannten Horsemanship-Konzepte arbeiten nicht primär mit positiver Verstärkung wie stimmliches Lob, Leckerli, Streicheln (also der aktiven Zuführung von etwas Positivem). Sie basieren vielmehr auf dem Weglassen eines stimulierenden Reizes als Belohnung. Pferde lernen auch auf diese Weise sehr gut. Ihre Motivation und Freude an der Zusammenarbeit wird aber v.a. mittels der angewandten Lernpsychologie entwickelt.

 

Gerne erarbeite ich mit dir die Prinzipien der Lernpsychologie in Theorie und Praxis!



Mir wurde schon gesagt, ich dürfe keine Leckerlis verabreichen weil das Pferd dann immer bettelt?

Ich sehe das so: Der wichtigste Teil bei der Arbeit mit Pferden ist die ausführliche und deutliche Belohnung zum richtigen Zeitpunkt. Eine "Pause", ein stimmliches Lob, eine sanfte Berührung oder ein "Leckerli" bestätigen ihm, dass es seine Aufgabe gut gemeistert hat. Auf diese Weise entwickeln sich manche Pferde zu regelrechten "Lernfreaks".

Die positive Belohnung (positive reinforcement) bei der dem Pferd etwas Angenehmes zugeführt wird (z.B. ein Leckerli oder Kraulen am Mähnenkamm) hat dabei den grösseren Belohnungseffekt für das Pferd als die negative Belohnung (negative reinforcement), bei der dem Pferd etwas Unangenehmes weggenommen wird (z.B. Wegnehmen des Drucks durch Abwenden und Passivwerden des Trainers wie es häufig bei gängigen Horsemanship-Methoden empfohlen wird).

Die positive Verstärkung über Futter, welches den höchsten Belohnungs-Reizwert hat ist eines der wirksamsten und effizientesten Mitteln überhaupt zur Belohnung und kommt dann vermehrt zum Einsatz, wenn das Pferd etwas Neues lernen soll. Da das Pferd schon bald 100%-ig motiviert ist, sich ein Leckerli zu verdienen wir es ein hohes Mass an Lernbereitschaft zeigen.


Wichtig bei der Gabe von Leckerlis ist die 3-Sekunden-Regel (Belohnung auf eine Aktion muss innerhalb 3 Sekunden erfolgen sonst kann das Pferd die Belohnung nicht mehr mit seiner Aktion in Verbindung bringen). Dazu kommt, dass ein Leckerli IMMER verdient werden muss. Bei manchen Pferden reicht ein inkonsequenter Ausrutscher und es wird ständig (und nicht immer höflich) versuchen, diesen Zufallsjoker nochmals auszulösen. Fängt ein Pferd also an, an unseren Taschen zu knabbern oder zu betteln haben wir es leider irgendwo (meist unabsichtlich) selbst verursacht.



Manchmal ist mein Pferd freudig motiviert für die Arbeit mit mir, am nächsten Tag verhält es sich total unkooperativ. Woran liegt das?

Für die Arbeit mit dem Pferd braucht es seine innere Handlungsbereitschaft (Motivation) und Konzentration.

Dies ist für das Pferd nur möglich, wenn...

  • ... wenn seine ethologischen Grundbedürfnisse täglich befriedigt werden.
  • ... wenn es sich entspannt und sicher fühlt.
  • ... wenn KEIN anderes Bedürfnis wie Fressen, Sozialkontakt, etc. im Vordergrund steht.

Pferd und Mensch begegnen sich täglich neu. Etliche exogene Faktoren wie Wetter, Temperatur, Jahreszeit ebenso wie endogene Faktoren wie Hormone, Geschlecht, Alter usw. wirken sich entscheidend auf die innere Handlungsbereitschaft des Pferdes (ja genau! ... und auf den Menschen!) aus. Beispielsweise hat ein Hengst neben einer rossigen Stute oder ein Pferd, welches bei der Arbeit ständig von Bremsen gestochen wird tatsächlich andere Sorgen, als sich auch noch auf die Kommandos des Reiters zu konzentrieren.

Ist das Pferd bereit, für die Arbeit mit dem Menschen und hat gelernt, dass dies auch Spass macht, wartet es neugierig, entspannt und aufmerksam auf seine Aufgabenstellung. Ist es dazu nicht bereit - na ja! Schwamm drüber! Ein gemütlicher Spaziergang oder am Wegrand etwas grasen lassen und die Sonne geniessen hat noch keinem der Beteiligten geschadet und hilft dazu super gut, den eigenen Frust zu vergessen und sich selber wieder zu entspannen.



Warum muss der Mensch dem Pferd signalisieren, dass er der Ranghöhere ist und wie macht man das auf pferdegerechte Art und Weise?

Der unerlässliche Grundpfleiler für die sichere Zusammenarbeit zwischen Mensch und Pferd ist die geklärte Rangordnung. Die Spielregeln müssen bekannt sein und die Bereitschaft des Pferdes, sich an die Regeln zu halten, muss erarbeitet werden. Ohne Führung wird das Pferd weder Vertrauen noch Respekt entwickeln können und in "brenzligen" Situationen nicht auf seinen Menschen hören, sondern sein eigenes Leben retten. Sind die Spielregeln (Rangordnung) einmal geklärt, ist die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit geschaffen.

 

Der ranghohe Mensch hat das Recht, das Pferd in alle möglichen Richtungen von ihm weg zu bewegen. In der Natur hat das ranghohe Pferd das Recht auf jeden Futter- und Liegeplatz - die rangniedrigen Tiere müssen weichen. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass das Leittier in guter körperlicher Konstitution bleibt und seinen Pflichten als Leittier gerecht werden kann. Ja richtig gehört! Das ranghöhere Pferd (rsp. der ranghöhere Mensch) hat auch Pflichten, nämlich die Herde zu beschützen.
 
Ein Führtraining und das Rückwärtsrichten kann zur Klärung der Rangordnung sehr hilfreich sein. Diese Übungen haben eine grosse Dominanzwirkung auf das Pferd und sollten daher auch entsprechend sparsam und mit Verstand eingesetzt werden. In der Klärung der Rangordnung gilt das Prinzip: So viel wie nötig, sowenig wie möglich. Vor allem aber müssen solche Korrekturen immer fair und emotionslos erfolgen und mit Lob bestätigt werden, damit das Pferd ein positives Lernergebnis hat und die Freundschaft zwischen Mensch und Pferd nicht gefährdet wird. Ein durch Wut und Ärger geprägtes Verhalten gegenüber dem Pferd wird von diesem nicht verstanden und erzeugt - ZU RECHT - Angst oder Aggression.

 

Ebenso ist es eine sinnentlehrte Angelegenheit, ein Pferd einmal in der Woche im Round-Pen zu "join-uppen". Da kann man die Zeit mit seinem Pferd definitiv sinnvoller verbringen.

 

Ich zeige dir gerne wie! 



Ich habe schon viel mit Führungsübungen mit meinem Pferd gearbeitet, dennoch versucht es immer wieder, meine Regeln zu hinterfragen. Weshalb ist das so?

Pferde brauchen ab und zu erneut die Zusicherung des Menschen, dass die Rangordnung nicht geändert hat. Sie wollen - bzw. MÜSSEN von Natur aus - wissen, ob sein Leittier noch immer kompetent genug ist, den höheren Rang zu beanspruchen und  Führung und Sicherheit zu gewährleisten.


Wie oft und auf welche Art Pferde danach fragen ist sehr unterschiedlich und hängt von Rasse, Charakter, Persönlichkeit, Alter u.v.m des Pferdes ab. Es lässt sich aber sagen, dass intelligente, eigenwillige Pferde häufiger "nachfragen". In einer Pferd-Mensch-Beziehung, in der die Rangfolge grundsätzlich gut geregelt ist, lässt sich eine wieder auftauchende "Frage" i.d.R. klar, kurz und präzise beantworten. 



In der Regel gehorcht mir mein Pferd und respektiert meine Anweisungen, dennoch will es wenn es Angst bekommt partout nicht mehr auf mich hören. Warum ist das so?

Viele Pferd-Reiter-Paare sind untereinander rang-gleich. Bei eher kaltblütigen, willensstarken Pferdetypen ist dieses Phänomen häufiger zu beobachten. Oftmals gelten diese Pferde als störrisch oder stur (in Wahrheit sind es sehr charakterstarke und intelligente Zeitgenossen). Stehen Pferd und Mensch in einer grundsätzlich "freundschaftlichen" Beziehung zueinander, ist auf den ersten Blick die nicht immer vorhandene Führung des Menschen nicht auf den ersten Blick erkennbar: das Pferd kooperiert augenscheinlich in allen Bereichen, in denen es sich auskennt und sicher fühlt. In neuen, beängstigenden Situation wird es sich jedoch nicht auf seinen Menschen verlassen und versuchen, seine eigene Haut zu retten (ja ich weiss... Robby-Dogs, Regenschirme, Traktoren... alles potenzielle Pferdefresser). Auch kann das Pferd seine Kooperationsbereitschaft - wenn es keine "Lust" mehr auf Zusammenarbeit hat - von einer Minute auf die andere "kündigen".

Wichtig ist, dass unterschieden werden kann zwischen: KANN das Pferd nicht weil es mich nicht versteht oder mir nicht vertraut, oder WILL es nicht. Hier liegt eine Brutstätte von Ausbildungsfehler die nur scher wieder korrigiert werden können.

 

Ich helfe dir sehr gerne dabei, das Problem richtig zu erfassen und zu lösen!